Der erste deutsche im All: Sigmund Jähn ist tot

Von Standardizer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7023815

Sigmund Jähn sah als erster Deutscher die Erde vom All aus – und das prägte ihn. Dem Kosmonauten war der Heldenstatus unheimlich, sein Leben lang blieb er bescheiden. Am 26. August 1978 startet der Ostdeutsche Sigmund Jähn vom Weltraumbahnhof Baikonur mit der Raumkapsel „Sojus 31“ zur Raumstation „Saljut 6“. gemeinsam mit dem sowjetischen Kommandanten Waleri Bykowski (1934–2019) verbringt er sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All und umkreist die Erde dabei 125-mal. Sein Flug ins All macht Jähn zum Volkshelden. Der erste Deutsche im Weltraum war ein DDR-Bürger. Die SED-Staatsführung nutzte den Flug für Propaganda-Zwecke, stilisierte ihn als Sieg im Wettrennen gegen die Bundesrepublik. Die westliche Presse dagegen verhöhnte ihn als „Trittbrettfahrer und Mitesser in der Russenrakete“. Sigmund Jähn wurde 1937 in Sachsen geboren. Der gelernte Buchdrucker trat am 26. April 1955 den Wehrdienst bei der VP-Luft, dem Vorläufer der Luftstreitkräfte der DDR, in Preschen an. Nach seiner Grundausbildung wurde er ab 1956 als Offiziersschüler an der Offiziersschule der LSK/LV in Kamenz und an der Fliegerschule in Bautzen, der Vorläufereinrichtung der späteren OHS für Militärflieger in Bautzen zum Flugzeugführer ausgebildet.

Im Rahmen des Interkosmos-Programms kamen Oberstleutnant Jähn und drei weitere Kandidaten (Eberhard Köllner, Rolf Berger und Eberhard Golbs) ab 1976 in die engere Wahl zur Kosmonauten Ausbildung. Jähn und Köllner erhielten den Zuschlag. Seit 1976 wurde Jähn zusammen mit Eberhard Köllner im Rahmen des Interkosmos-Programms im Sternenstädtchen bei Moskaus ausgebildet. Am 26. August 1978 startete er schließlich in der sowjetischen Raumkapsel Sojus 31 zusammen mit Waleri Fjodorowitsch Bykowski zur sowjetischen Raumstation Saljut 6.

Die Raumstation Saljut 6.
Die Raumstation Saljut 6.

Der Flug dauerte 7 Tage, 20 Stunden, 49 Minuten und 4 Sekunden. Während der 125 Erdumkreisungen führte Jähn zahlreiche Experimente durch. Dazu zählten wissenschaftlich-technische Experimente mit der Multispektralkamera MKF 6 zur Erdfernerkundung, materialwissenschaftliche Experimente, Experimente zur Kristallisation, Formzüchtung und Rekristallisation sowie Züchtung eines Monokristalls, medizinische Experimente, Untersuchung der Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Sprechvermögen, arbeitspsychologische Untersuchungen, Überprüfung der Hörempfindlichkeit der Stammbesatzung, biologische Experimente zum Zellwachstum in der Schwerelosigkeit und zur Verbindung von Mikroorganismen mit organischen Polymeren und anorganischen Stoffen.

Knappe Landung

Sojus 31 blieb als Rückkehrkapsel für die Stammbesatzung an Saljut 6 angedockt, die maßgeschneiderten Sitze wurden in die Rückkehrkapsel Sojus 29 umgeladen. Eine unerwartet harte Landung der Kapsel führte bei Jähn zu bleibenden Wirbelsäulenschäden. Da der relativ kleine Kapsel-Kommandant den Schalter zur Loslösung des Fallschirms nur unter Schwierigkeiten verspätet erreicht hatte, löste sich der Schirm nicht rechtzeitig von der Landekapsel, wodurch diese sich mehrfach überschlug und durch die Steppe geschleift wurde. Öffentlich trat Jähn zuletzt nur noch selten auf. Eng verbunden blieb er seinem Geburtsort Morgenröthe-Rautenkranz in Sachsen, wo das einzige Raumfahrtmuseum Deutschlands steht.